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Ceramiche Supergres: Fernsehröhren zu Fliesen
Fliesen, die zu 20 Prozent aus alten Fernseher-Leuchtschirmen bestehen? Für Lelio Poncemi, Marketingchef und Gesprächspartner für CARO, ist das eine echtes Argument für den Fachhandel, um umweltbewusste Endverbraucher zu begeistern.
Caro:
Welche Stellenwert hat nachhaltiges Produzieren und Bauen für Ihr Unternehmen?
Poncemi:
Unser Unternehmen und unsere Gruppe haben schon frühzeitig damit begonnen, eine Strategie zu entwerfen, die das Ökosystem schützen und lebenswertes erhalten soll. So haben wir bereits im Jahr 2002 unser erstes Produkt nach dem Ecolabel zertifiziert. Seit dem Jahr 2008 sind alle unsere Bodenkollektionen nach diesem Label geprüft. Im gleichen Jahr haben wir ein Produkt vorgestellt, das nach dem LEED-Punktsystem klassifiziert ist.
Unser Unternehmen hat sehr viel getan, um die internen Abläufe und Produktionsprozesse zu optimieren und diese nachhaltig zu gestalten. Im vergangenen Jahr haben wir erstmals Fliesen vorgestellt, in denen Post-Consumer Abfälle verarbeitet wurden. Die Fliesen bestehen zu 20 Prozent aus recycelten Fernsehröhren. Nachdem wir also auf Produktionsseite viel unternommen haben, wenden wir uns mit diesem Projekt den Post-Consumer-Seite zu.
Caro:
Warum gerade Fernsehröhren?
Poncemi:
Wir erleben gerade eine Phase, in der die Röhrentechnik durch Plasma- und LCD-Technologien abgelöst wird. Früher wurden alte Fernsehröhren von der Industrie zu neuen recycelt. Durch den Boom bei Plasma- und LCD-Bildschirmen besteht hier kein Bedarf mehr. Aus diesem Grund wurden große Mengen an Bildschirmglas frei, die wir für die Fliesenproduktion nutzen. Wir verarbeiten hier nur den vorderen Teil der Röhre, also den Leuchtschirm. Der hintere ist aus Qualitätsgründen mit unseren Standards nicht kompatibel.
Caro:
Wie wirkt sich dies auf die Umweltbilanz der Produkte aus?
Poncemi:
Rund 80 Prozent des Materials eines Röhrenfernsehers können wiederverwertet werden. Glas macht hier ungefähr 48 Prozent aus, Plastik 16 Prozent, Eisen 12 Prozent, Kupfer 3 Prozent und Aluminium 0,4 Prozent.
In der Fliesenproduktion substituiert das Glas etwa 20 Prozent der verarbeiteten Pressmasse. Bei einer Fliese in den Abmessungen 60 x 60 Zentimeter mit einem Gesamtgewicht von sieben bis acht Kilogramm kann der Anteil des Glases einem Gewicht von 1,5 Kilogramm entsprechen. In einer 70 Quadratmeter großen Wohnung können auf diese Weise die Leuchtschirme von 20 mittelgroßen Fernsehern mit einem Gesamtgewicht von 300 Kilogramm im Fliesenbelag verwertet werden.
Pro hergestelltem Quadratmeter Keramikfliesen können wir mit unserer Technologie 5 Kilogramm Glas recyceln. Bei einer theoretischen Jahresgesamtproduktion von 200.000 Quadratmetern sind dies 1.000 Tonnen Glas. Im gleichen Maße verringert sich der Einsatz der herkömmlichen, natürlichen Ausgangsstoffe. Hinzukommt die Ersparnis in der Emissionsbilanz in Höhe von 0,7 Kilogramm Kohlendioxyd pro Quadratmeter beziehungsweise 140 Tonnen bei einer Produktion von 200.000 Quadratmetern Fliesen die in der Regel anfallen, wenn Ausgangsmaterialien abgebaut werden und mit Lastwagen oder Schiffen aus der Türkei, der Ukraine, Australien oder Südafrika bis nach Sassuolo transportiert werden.
Caro:
Nach welchen Systemen lassen Sie die Produkte Ihres Unternehmens zertifizieren?
Poncemi:
Neben Ecolabel und LEED sind wir gerade dabei, verschiedene Produkte nach ANAB der Italienischen Gesellschaft für Natürliches Bauen und Bioarchitektur (vergleichbar mit dem Deutschen Institut für Baubiologie IBN, die Red.) - zertifizieren zu lassen. Eine Prüfung durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) ziehen wir in Erwägung.
Caro:
Wie hoch ist der Anteil der grünen Materialien in Ihrem Sortiment?
Poncemi:
Unsere Bodenprogramme sind alle nach dem Ecolabel zertifiziert. Bis Ende 2010 werden auch alle Wandprogramme dieses Prüfsiegel tragen. Pro Jahr werden wir ein bis zwei neue Kollektionen nach LEED prüfen lassen
Caro:
Wie sind diese Produkte preislich positioniert?
Poncemi:
Die zertifizierten Produkte decken unterschiedliche Preissegmente ab. Bei den Kosten sind in erster Linie die Investitionen zu berücksichtigen, die eine Fertigung erlauben, die umweltfreundlich ist und den jeweiligen Prüfstandards entspricht. Unternehmen wie das unsere, die hier frühzeitig die entsprechenden Weichenstellungen vorgenommen haben, können auch in solchen Fertigungsprozessen wettbewerbsfähig agieren, die etwas komplexer sind. Das betrifft zum Beispiel solche Verfahren, wie sie für Fertigung von Produkten notwendig ist, für die eine Prüfung nach Ecolabel oder LEED vorgesehen ist. Die Entwicklung und die Investitionen gehen hier natürlich Jahr für Jahr weiter.
Caro:
Welche Vorteile hat der Handel durch die zertifizierten Produkte?
Poncemi:
Bauprojekte werden in Zukunft zunehmend nach LEED-Standards errichtet werden. Dies wird zu einer verstärkten Nachfrage seitens der Architekten, der privaten Bauherren und Verbraucher nach zertifizierten Produkten führen. Außerdem wird der Handel aus meiner Sicht auch einen Vorteil daraus ziehen können, wenn zertifizierte Produkte in Zukunft im Rahmen des "Green Building Procurement" bei öffentlichen Bauprojekten den Vorzug vor anderen Materialien erhalten werden. Hinzukommt, dass nachhaltiges Bauen quantitativ wachsen wird und der Bedarf an entsprechenden Materialien auch.
Mit dem Erwerb unserer Produkte hat der Privatkunde die Gewissheit, ein Material zu erstehen, dessen Produktions- und Lebenszyklus nachhaltig die Umwelt schützt und schont. Wenn der Endverbraucher ein entsprechendes Bewusstsein für nachhaltige Produkte entwickelt hat, wird die Industrie das Angebot dieser Produkte weiter ausbauen. Die zunehmende Verbreitung der Produkte wird dann wiederum das Bewusstsein für nachhaltiges Bauen weiter schärfen.
Caro:
Herr Poncemi, wir bedanken uns für das Gespräch.
