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Locker, aber wirklich nicht doof …

… sollte Kultur im Sommer sein. Zum heftigen Nachdenken ist es oft zu warm, abgesehen davon, dass das Gehirn schon mit Grillrezepten und dem Berechnen der Kalorien jedes blumenvasengroßen Eisbechers ausgelastet ist.

Was nicht bedeutet, dass wir die rund 30 Prozent intellektuelle Restkapazität an unwürdigen Blödsinn verschwenden. Nein, wir widmen uns Kunst & Literatur, die sich und das Leben wichtig, aber nicht ganz ernst nimmt. Die Brillanz mit Lässigkeit verbindet. Die uns nicht als bedrückte, schuldbewusste Wesen hinterlässt, sondern ein sinnlicher und intellektueller Genuss ist. Also etwa so wirkt wie ein blumenvasengroßer Eisbecher. Ein Motiv, das glatt von

Roy Lichtenstein

sein könnte, aber meines Wissens nach nie von ihm aufgegriffen wurde. Eigentlich merkwürdig, denn dieser große Mitbegründer der so genannten Pop-Art verewigte neben seinen bekannten Comic-Sujets beispielsweise Sprühdosen, Schinken und Waschpulver.

Die meisten kennen Lichtensteins großformatige Zitate aus Comics der 60er Jahre, da sie tausendfach als Poster und auf T-Shirts multipliziert wurden. Die finden Sie schon etwas veraltet und belanglos? Ich ehrlich gesagt auch.

Umso größer die freudige Überraschung beim Entdecken der anderen Seiten des amerikanischen Künstlers im Kölner Museum Ludwig. Hier läuft noch bis zum 3. Oktober 2010 die Ausstellung "Roy Lichtenstein Kunst als Motiv" und zeigt seine Auseinandersetzungen mit Motiven und Stilrichtungen zeitgenössischer und klassischer Kunst.

Femme d''Alger, 1963, Öl auf Leinwand/Oil on canvas, 203 x 173 cm, The Eli and Edythe L. Broad Collection, Los Angeles © VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Hier beispielsweise mit Picassos "multiperspektivischen" Frauen. Auch Matisse, Mondrian und Dali lassen sich in den großformatigen Werken wieder finden. Und manchmal nur ganz einfach ein hübsches Stilleben mit Goldfischen, Zitrusfrüchten und Golfbällen. Denn man muss nicht alle Zitate in den meist großformatigen und immer farbenfrohen Werken verstehen, um sie mit Freude und Vergnügen zu betrachten. Ihr verspielter, ironischer Geist und der Spaß am virtuosen malerischen Können kommen spontan ´rüber.

Still Life with Goldfish, 1974, Privatsammlung/Private collection, 132 x 107 cm, Oil and Magna on canvas/Öl und Magna auf Leinwand © VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Hintergründiges zur Handtaschenfrage

A pro pos locker: So sollten nicht nur die MitarbeiterInnen des Museums Ludwig mal endlich die leidige Handtaschenfrage bei Museumsbesuchen angehen. Männer können jetzt mal weglesen, aber Frauen wissen, was ich meine. In die meisten Ausstellungen Deutschlands darf man nur Handtaschen im Mini-Clutch-Format mitnehmen, in die höchstens ein Tempo und ein Hustenbonbon passen.

Wieso? Manche sagen, dass man Angst vor Anschlägen auf Kunstwerke hat. Richtig ist, dass weltberühmte Werke wie die Mona Lisa oder die Pietà immer wieder Attentäter anzogen und wohl zu Recht besonders geschützt werden müssen. Aber muss das nach dem Prinzip "Flüssigkeitsverbot im Flugzeug" bundesweit flächendeckend gelten? Müssen wir alle wegen einer Hand voll bösartiger Spinner auf ein Stückchen Lebensqualität verzichten (zumal es in Museen eben nicht um Leben & Tod geht)? Und wären dann nicht komplette Sicherheitskontrollen angesagt, da selbst ein bösartiger Spinner so clever wäre, seine Zerstörungswerkzeuge eben gerade nicht in einer Handtasche zu transportieren?

Fragen über Fragen, die eine zwangsweise zur Handtaschenlosigkeit verurteilte Museumsbesucherin zusätzlich verärgern, die Brille, Notizbuch, Stift, Tempo, Labello und sonst `was irgendwo reinstopfen muss (beim Sommerkleid nicht einfach!). Außerdem lässt keine Frau ihren wichtigsten Wegbegleiter einschließlich Geld, Ausweisen, Handy gerne in fremder Obhut, nein, gar nicht gerne. Tiefere Auskünfte zum Thema verspreche ich mir von dem schon lange geplanten Besuch des weltberühmten Amsterdamer Handtaschen-Museums, über das ich dann lang & breit berichten werde.


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