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Refin Ceramiche: Ökologie als Strategie
Eingebettet in eine vorausschauende Strategie der Concorde-Gruppe misst der Hersteller dem Thema "Grünes Bauen" große Bedeutung zu. Die Fliese, so Geschäftsführer Arnold Stabinger, muss Innovationsthemen im Bauen mit besetzen, und die Branche muss "weiche" Öko-Themen in "harte" Geschäftsvorteile überführen.
CARO:
Welchen Stellenwert hat nachhaltiges Produzieren und Bauen für ihr Unternehmen?
Stabinger:
Seit der Übernahme der Refin durch die Concorde-Gruppe im Jahr 1999 haben wir dem Thema Umwelt konstant Beachtung geschenkt. Dies geschah in zwei Phasen. Unmittelbar nach der Übernahme wurde unsere Fertigung an die Umwelt-Standards der Gruppe angepasst, die damals schon sehr entwickelt waren. Dies betraf vor allem Maßnahmen der Emissionskontrolle und Energieverbrauchsreduzierung sowie die geschlossenen Wasserkreisläufe. Hierdurch wurde auch eine wirtschaftliche Effizienzsteigerung erreicht. Die Auflagen der italienischen Umwelt- und Gesundheitsbehörden und die Kontrollen sind in der Region Emilia Romagna, in der Sassuolo liegt, übrigens sehr streng.
In einer zweiten Phase, beginnend im Jahr 2001, begannen wir mit der Zertifizierung nach dem Ecolabel. Wir gehörten damit zu den ersten Fliesenherstellern, die ihre Produkte systematisch nach dem Europäischen Umweltzeichen prüfen ließen. Im Jahr 2008 zeigten wir erstmals ein Material, das nach LEED geprüft war und zu 40 Prozent aus recycelten Industrieabfällen bestand.
CARO:
Hat dieser Nachhaltigkeitsansatz auch Auswirkung auf die Produktentwicklung gehabt?
Stabinger:
Ja. Als vor einigen Jahren Metalloberflächen in der Keramik an Aktualität gewannen, bestanden auch bei uns Überlegungen, Produkte dieser Art zu entwickeln. Hierbei stellte sich heraus, dass man sich bei der Produktion in Grenzbereichen der hiesigen Umweltvorschriften bewegen würde. Ursache hierfür ist, das kleinste Metallpartikel während der Fertigung freigesetzt werden und entweichen können, sofern sie nicht durch Glasuren gebunden werden. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, diesen Trend nicht mitzugehen.
Seit vergangenem Jahr bieten Refin und zwei weitere Unternehmen unserer Gruppe Supergres und Marca Corona Fliesen an, die zu 20 Prozent aus Glas bestehen, das aus entsorgten Fernsehbildschirmen gewonnen wird. Das Produkt ist mit dem bedeutenden Umweltpreis der Legambiente ausgezeichnet worden. Die Verwendung von Glas in diesen Größenordnungen ist übrigens ein sehr diffiziler und komplexer Vorgang, der eine enge und vollständige Abstimmung aller technischen Abläufe erfordert. Auch hier haben sich die Synergien innerhalb unserer Gruppe als entscheidend erwiesen. Ich denke, dass wir noch auf sehr lange Sicht der einzige Fliesenhersteller sein werden, der so eine Herausforderung annimmt.
Als weitergehende Initiative haben wir das Internetportal "we care" auf den Weg gebracht, das Planern, Architekten und Interessierten die Gesamtproblematik des Nachhaltigen Bauens nahe bringt.
CARO:
Wie hoch ist der Anteil von grünen Produkten in Ihrem Sortiment?
Stabinger:
Mittlerweile sind alle Boden- und Wandprogramme nach Ecolabel geprüft.
CARO:
Welche Vorteile bringen umweltfreundliche Produkte dem Handel?
Stabinger:
Hier sehe ich zwei Aspekte. Das Thema "Bauen" ist ja vielfach mit dem Thema "Umwelt" verbunden: Denken Sie an Heizung und Klimatechnik, Klimaschutz, Energieverbrauch, Wärmedämmung oder auch Solartechnik. Wenn es unserer Branche gelingt, hier Schnittstelle zu diesen aktuellen Themen zu schaffen und zu besetzen, können sich interessante Rückkoppelungseffekte ergeben, die das öffentliche Erscheinungsbild der Keramikfliese aufwerten können.
Der zweite Aspekt besteht für mich darin, den ethischen "weichen" Wert "Umweltschutz" in einen "harten" Geschäftsfaktor zu überführen. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass der US-amerikanische Markt in dieser Hinsicht in den vergangenen fünf bis sechs Jahren eine beachtliche Entwicklung zurückgelegt hat. Vor diesem Zeitraum wurde Umweltschutz in erster Linie als intellektuelles Problem wahrgenommen. Durch nachhaltig realisierte Bauprojekte von Künstlern und Prominenten sowie durch politische Vorgaben, bei denen Kalifornien und die Ostküste eine Vorreiterrolle einnahmen, hat das Thema stark an Aktualität gewonnen. So wurde in öffentlichen Ausschreibungen verstärkt und explizit die Verwendung von LEED-zertifizierten Materialien gefordert. Heute wird in den USA und in Kanada fast kein öffentliches Bauprojekt ohne diese Kriterien realisiert. Wenn ein Händler hier Materialien liefern will, muss er über zertifizierte Produkte im Sortiment verfügen. Auch der Wohnungsbau und private Bauherrn werden hiervon mittlerweile beeinflusst. Die Schnelligkeit dieser Entwicklung wird natürlich durch homogene Struktur des amerikanischen Marktes gefördert. Aus meiner Sicht sollten wir Europäer aufpassen, dass die nationalen Partikolarinteressen diesen Prozess nicht unnötig verkomplizieren oder gar aufhalten.
CARO:
Herr Stabinger, vielen Dank für das Gespräch.
